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September – Wir üben Herbst

Puh, der Sommer war ja nichts – zumindest nicht doll. Gerade mal für ein paar Tage lohnte es sich, die Sommermode im Schrank hervorzuziehen. Wie könnte eigentlich ein  Briefwechsel mit dem Personal der  „Wetterverwaltung“ über den Wolken lauten? 😉 Etwa so?

Sehr geehrter Herr P.,

aufgrund des Anspruchs auf Schönwetter im Sommer fordere ich die mir zustehenden Temperaturen zwischen 25°C bis 30°C pro Tag. Zu meiner Lebensqualität gehört das verzweifelte Wühlen in meinem Kleiderschrank, um die buntesten T-Shirts etc. für den Tag zu finden, in der Sonne zu picknicken und mir etwas gesunde Sonnenbräune zuzulegen.

Diesen Anspruch haben Sie nur ungenügend erfüllt und setzt Sie somit in Verzug. Ich fordere Sie hiermit auf, die noch zustehenden Temperaturen bis zum 23. September zukommen zu lassen.

Mit noch freundlichen Grüßen

X. Ypsilon

Antwort:

Sehr geehrte Frau X.Y,

Ihrer Forderung auf Dauersommer können wir nicht nachkommen.

Begründung unserer Ablehnung ist, dass auch leider bei uns erhebliche Einsparungen vorgenommen werden müssen. Selbst unsere Hotline kann ihrem Namen kaum noch gerecht werden. Mit dem Blick, den wir seit vielen Jahren auf die Erde haben, erkannten wir, dass sich Misswirtschaft durchaus lohnen kann und verpulverten die hohen Temperaturen bereits im letzten Sommer. Wir haben uns also entschlossen, es den verschiedenen irdischen Ebenen gleichzutun.

Da wir mit Entzücken beobachten konnten, wie Sie als Erdenbürger ständig bei Laune gehalten werden sollen, bieten wir Ihnen zum Ausgleich einen milden Winter an. Wir können zwar nicht dafür garantieren, aber daran dürften Sie sich bereits gewöhnt haben.

Wir tun unser Bestes und bemühen uns um zufrieden stellende Erfüllung Ihrer Ansprüche.

Zu guter Letzt dürfen wir Sie auf unser Sonderangebot aufmerksam machen, da auch wir auf Einnahmen angewiesen sind, dieses aber sonst gern auf die sozialromantische Schiene um jeden Preis als freiwillige Leistung vermarkten.

Es wäre ein Kurz-Abo auf Schäfchenwolken und etwas Sonne. Sie verzeihen uns sicher, dass eine weitere Inanspruchnahme mit höherem Aufwand und Kosten verbunden sind. Als freundlichen und durchaus kompetenten Wettervertreter werden wir Herrn K. kontaktieren und bei seiner Zusage einen Termin mit Ihnen vereinbaren.

Lassen Sie uns bitte umgehend wissen, ob Sie unser Angebot annehmen.

Mit wahnsinnig  freundlichen Grüßen

Ihr Lieblingsamt

August – Wir üben Bewerbungen…

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund meiner Feststellung, dass Inkompetenz besser bezahlt wird als alles andere und anscheinend überwiegendes Einstellungskriterium zu sein scheint, bewerbe ich mich auf einen Arbeitsplatz in Ihrem Hause. Mit Sozial- und Arbeitsrecht kenne ich mich zwar nur wenig aus, aber ich kann sehr beschäftigt wirkend blättern und lesen.

Da ich bislang mit Entzücken die Arbeitsweise einiger künftigen Kolleginnen beobachtete, war ich mir schon sicher, mich ebenso charmant um die Beratungspflicht drücken und die Betroffenen realitätsfremd belehren zu können.

Zu meinen Best-Disziplinen gehört das all-fünf-minütige Kaffeeholen und Privatschwätzchen am Telefon, welche ich gekonnt als Dienstgespräch tarne, sobald mein Büro betreten wird. Da ich ein sehr offener Mensch bin, wird meine Bürotür ebenso ständig offen stehen, um die Wartenden beispielsweise mit meinen Telefonaten mit der Kundschaft unterhaltsam belehrend daran teilhaben zu lassen, worin der Unterschied zwischen Arbeitsschutz- und Arbeitsschuhen besteht.

Zu meinen Zusatzqualifikationen gehört Dank meiner Integration beispielsweise auch das Führen von Aktenwägelchen mit gesenktem Kopf und entsprechend erprobtem Blick. Über weitere hervorragende Fähigkeiten lassen Sie sich einfach überraschen.

Ich bin überzeugt, beste Voraussetzungen für die Tätigkeit in Ihrem Hause mitzubringen.

Wenn Sie meine Bewerbung hinreißt und Sie mich am liebsten rückwirkend einstellen möchten, beantworten Sie meine Bewerbung mit Ihren Top-Konditionen gleich hier. Ich werde mich umgehend zurückmelden.
Zu meiner Mindestforderung gehört ein Abhol- und Bring-Service, reichhaltiges Frühstück auf dem Bürotisch und ein weit liebevoller gestaltetes Schildchen, dass das Händchenschütteln eine Herabwürdigung für (ab-)gehobene Positionen wie die einer Schreibtischtäterin ist.

Ihre Wahnsinns-Gehalts-Gebote können Sie mir auch diskret mitteilen, um den fairen Wettbewerb nicht zu gefährden.

Mit freundlichem Fußkuss…

Juli – wir üben Urlaub

Urlaub können wir mit Erholung verbinden oder mit verlagertem Stress, eine Reise zu planen oder sie gar anzutreten. (Manche werden wohl wie ich mit erhobener Augenbraue fragen „Ur-was?“)

Wir sehen unser Traumpaar.
Sie steht Haare raufend vor 2 Koffern, er schaut sich sein Video an, welches er lange vor sich herschob.
Sie: „Schahaaahaaaatz?“
Er (grummelig): „Hmmm?“
Sie „Was soll ich anziehen und mitnehmen?“
Er: „Es ist nur eine Woche, da reichen die Sporttaschen der Kinder, die brauchen sie im Moment eh nicht.“
Sie (spricht dazwischen): „Immerhin eine Woche!“
Er: „Pack was Langärmeliges und was Kurzes ein und gut ist!“
Sie: „Das passt doch aber nicht in die kleine Tasche!“
Er (grummelt) „Nimm halt deine Fitness-Tasche, die ist größer!“
Sie (fiepst schon verzweifelt): „ … reicht auch nicht, da muss für noch etwas für Regen, Sonnenbad, Sport und die ganzen Pflegemittel mit“
Er (tobt): „Wir fahren nur eine Woche weg und wir machen keine große Wanderung, wir wollen es preiswert und gemütlich machen und ich will Urlaub, keine Weltreise!“

Am Ende wird das vermeintlich ersparte Geld wohl in einem Schrankkoffer angelegt…

Liebe Herrschaften, es gibt Tricks und Kniffe, diesem Stress zu entgehen aber da dürft Ihr selbst drauf kommen. (In Ordnung, mit einem anständigen Eisbecher lasse ich mich auch bestechen).

Mädels… lasst den ganzen Schminkkram zu Hause, loddert mal so richtig. Ist auch gesünder, das Gesicht nicht immer mit der Restaurationspaste und allem möglichen Zeugs neu zu zeichnen. Nehmt das bequemste Kleid, die bequemsten Schuhe und die bunteste Tasche – passt! Gehen wir einfach mal entspannter shoppen als sonst und verzichten mal ein paar Tage darauf, die an der Kasse erworbene Plastetüte über die Schulter zu werfen und die Freundin flüsternd zu fragen, ob das Grün-Weiß mit dem großen „D“ nun gerade zum roten Blazer passt.

Wie sieht Euer Urlaub aus?

Ich übe jedenfalls das Extrem-Couchen… oh, ich habe nicht mal eine 🙂