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Wir üben Gewöhnung an die kalten Jahreszeiten und sorgen vor

„Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter an“ teilte uns mal wer mit.

Wenn mich der Herbst auch noch dem aktuellen Trend nach täglich früh schminken würde…

Es wird von einem Tag auf den anderen frisch auf der Hühnerbrust. Aber man kann sich ja gepflegt im eiligen Schritt durch die Straßen zumindest die Füßchen warmlaufen. Denn es gibt [juchheißa!] Herbst-Kaufrausch-Stimmungsmacher. Sogar bewirbt hier ein Einkaufscenter mit zwei Schauspielern die große Modeberatung. Die Zwei sind halt noch jung und brauchen das Geld, wie es uns die Umgangssprache sagt.

Eigentlich müsste mein Weiberherzchen wie verrückt hüpfen, wenn ich etliche Angebote sehe.

Aber was ist passiert? Mir zucken noch immer die Mundwinkel, wenn ich an den „Shopping-Marsch“ im letzten Jahr denke .

Das Wort „Rabatt“ erklärt Wikipedia (Auszug) wie folgt:„Ein Rabatt (von ital.: rabbattere = abschlagen, abziehen) ist ein Nachlass vom Listen-Preis einer Ware oder Dienstleistung oder von dem Preis, den der Unternehmer in sonstiger Weise allgemein ankündigt oder fordert (Netto-Verkaufspreis) oder ein Sonderpreis, der wegen der Zugehörigkeit zu bestimmten Verbraucherkreisen, Berufen, Vereinen oder Gesellschaften eingeräumt wird. Rabatte werden als Kaufanreize in der Preispolitik eingesetzt.“ Zitatende

Mein Gang in eine Modekette ließ mich über Folgendes staunen: „Kaufe 2 Pullover und spare“ Weiterhin lese ich „1 Pullover 12 €, 2 Pullover 25 €“

Ich gebe dezent errötend zu, dass ich in Mathe, Physik und Chemie anscheinend nicht nur Kreide holte, sondern wohl ganze Lager aufgeräumt haben muss, wenn man sich mein damaliges Zeugnis anguckt. Heute habe ich (oh Wunder) eine kaufmännische Zweit-Ausbildung, in der ich endlich begriff, dass 1+1 unumstößlich 2 macht und mich ganz sicher mal für die Politik qualifiziert hat. Schließlich steht auf dem Schulzeugnis als ausgleichend positive Beurteilung, dass ich „eine ruhige und kameradschaftliche Schülerin“ bin. Letzteres wird man mir A nicht glauben und würde mich B wohl eher disqualifizieren.

Schauen wir weiter: Beworben wird neuerdings eine Strumpfhose, die [Achtung!] Bauch, Beine, Po „formt“. Traumfigur dank einer Strumpfhose, hui! Ich sehe es vor mir: Zu Weihnachten oder Silvester schraube ich mich nach den ersten Nasch-Orgien zur Vorweihnachtszeit in ein strammes (am liebsten mit 5 „m“) Stretchkleid wie ein Nilpferd in eine Schlangenhaut? Macht rund 10 Euro. Gibt es eigentlich schon Strumpfhosen für den gegenteiligen Effekt, damit mir gefütterte Tiere nicht alles mit einem gerührt tränenden Auge liegenlassen? Denn die benannten „Nasch-Orgien“ helfen verhelfen mir auch nicht zur „Traumfigur“.

Mein Outfit ist nun perfekt. Allerdings hat das Jahr weitere Spuren hinterlassen und die sammeln sich bekanntlich. Es gibt Cremes, die lt. Werbung alles können. Mit einigen Euronen, nach wenigen Anwendungen wäre ich also optisch Anfang bis Mitte 20 oder müsste mich gar ständig  einer Ausweiskontrolle unterziehen, wenn ich des Nachts durch Lokale schleichen würde. Ich greife in der „Nurmalgucken-Ecke“ doch wieder nur nach der preiswerten Baby-Wind-und-Wetter-Creme.

Was braucht eine „gewöhnliche“ Frau „unbedingt“ noch? Richtig, eine Stirn klatschende Masse an Herrschaften wird jetzt „Schuhe!“ brüllen. Fast richtig, es sind allerdings Stiefel, damit A niemand mein für den Winter angelegtes Schienbein-Toupét sieht und B ich mich weniger der Gefahr aussetze, mir die Ohren zu brechen.

Wer mich virtuell kennt, weiß aus anderen Portalen, wie sich „Shoppen“ mit mir gestaltet. Wer mich persönlich kennt, lässt sein Schweißtuch müde lächelnd in der Tasche. Ich brauche pro Geschäft nur ca. 10 Minuten! Ausgenommen sind Baumärkte und Möbelgeschäfte. Vielleicht sollte ich mir beim Stiefelkauf doch mehr Zeit nehmen und mit dem Support eines Online-Schuhshops lustiges Farbenraten spielen, wie uns ein Werbespot auf mehr oder weniger unterhaltsame Art zeigt.

Schauen wir noch weiter: Der Optiker um die Ecke möchte mir Supi-Gläser verkaufen. Ich habe noch so etwas im Ohr wie „Und ich bin die, für die diese Brille gemacht ist…“ (oder so ähnlich). Wie wäre meine  Brille beschaffen? Ich wähle selbstverständlich rosa und passend getöntes Fensterglas für graue Tage und vielleicht eine Teilnahme an Montagsdemos. Man möchte optisch ja nicht negativ auffallen und sollte im Leben ja so viel wie möglich „mitnehmen“.

Habe ich etwas vergessen? Ich habe genügend Taschen und mag für 5 zum Preis von einer nicht noch den letzten Flurplatz voll stellen. Meine Tornado-Ecke bzw. der nur gebückt begehbare Kleiderschrank 1,40m x 2 m lässt sich auch nicht erweitern.

Hallo Mädels unter den Lesern: Helft mir, schreibt mir doch bitte eine Liste, wo ich noch gucken müsste und welchen Nutzen ich zusätzlich hätte 😉

Liebe Herrschaften, mit uns ist es gar nicht schlimm, durch die Geschäfte zu toben. Ratsam ist es allerdings, die bekannten Deckel mit Ohrenklappen aufzusetzen, da es beim Vorbeirauschen der gehetzt shoppenden Damen schnell zu Erfrierungen kommen kann.

Für die Einstimmung auf die recht frische Jahreszeit lege ich mir die CD von Melody Gardot in meinen Schlafzimmer-Brüller, lehne mich im Bürostuhl mit Massagematte zurück, halte meine Füße hoch und könnte glatt eine Zigarette im ellenlangen Halter rauchen und mir ausmalen, ich säße in einem „Herrenzimmer“. Warum diese Bezeichnung, wenn doch wir Frauen immer gern große Flächen vollräumen? ;-).

Meine Traumblase platzt, da ich dort weder rauche noch dunkle und massive Möbel besitze.

Alternativ esse ich extra scharfes Zeug und spare so hoffentlich Heizkosten. Romantisch, nicht wahr?

 

Oktober – Wir üben …ja, was eigentlich?

Nachdem Herr P. sich vorerst um meine noch zustehenden Sommertemperaturen drücken wollte, haben sich seine Merkwürden sich tatsächlich noch einmal herabgelassen – Wahnsinn… !

Wo nun schon die ersten Kränze, Arrangements und Kürbisse die Hütte schmücken, holt der Sommer noch einmal zum Schlag aus und lockt uns in die Parks und auf die Wiesen.

Allerdings sorgen wir auch schon artig vor:  es gibt bereits Weihnachtssüßkram, wir feiern aber vorher noch mal eben fix die deutsche Einheit und Halloween. Ach, da fällt mir ein, ich hätte ja noch ein paar klebrige Bonbons und Lutscher da. Kann man die noch „verfütt…“ äh verteilen? 😉

Kaufen wir schon Weihnachtssüßkram, den wir derzeit sogar schon im Kühli horten müssten, da Schokolade sonst zu schmelzen droht und aus dem Schoki-Weihnachtsmann ein gebückter Politiker wird?

Mir ist immer noch nach…Achtung…“Sommerschlussverkauf“. Bloß gut, dass ich nicht den Geschmack der Masse teile und so manchen „Wühltisch“ auch online in Ruhe und ohne jegliche Ausdünstungen um mich herum durchsuchen kann. Gleich an den nächsten Wühltischen gibt es beispielsweise schon wärmende Hausschuhe, die laufen wir dann schon mal an kühlen Herbstabenden ein.

Es gab übrigens die Zeitungs-Meldungen, dass die Thüringer die wohl unglücklichsten Leute des Landes wären und die Einwohner dieses Ortes sogar am häufigsten krank. Hm… die Großbefragung muss wohl immer montags vonstatten gegangen sein, oder?

Ich halte meine Mundwinkel jedenfalls meist hoch und hoffe, hierdurch nicht als Minderheit negativ aufzufallen 😉

So, was feiern wir noch?

Da wäre noch der 7. Oktober, den wir nach einigen Likörchen geschlossen mit einem Herz  zerreißenden „Auferstanden aus Ruinen“ besingen.

Allerdings könnte man hier eine größere Beteiligung als am Einheitstag vermuten.

Wer weiß…vielleicht hat in nächster Zeit „niemand“ vor, die Stadtmauer um Einiges zu erweitern …

 

 

 

„Das graue Schaf“ Teil 2

Wir erinnern uns an die Wiese, die eher eine Steppe ist und an das graue Schaf, welches sich das rettende Löchlein unter dem Gitter grub und sich aus der Herde entfernte?

Inzwischen ist auch ein neuer Schäfer zur Herde geschickt worden. Dieser wirkte gutmütiger den Schafen gegenüber. Das graue Schaf trat nun zum letzten Mal zur Herde, um die neue Frau im Hause zu sehen. Doch es traten noch 4 Mägde auf die Bildfläche. Die eine redete wie die andere auf die Schäfchen ein, wie gut sie doch noch Wolle gaben und weiterhin geben mögen. Man könnte meinen, es wäre ein Wettstreit der warmen Worte. Die dritte Magd setzte sich mit Staffelei und Pinsel vor die Herde und malte, während die vierte die Schafe befragte und sich viele Notizen machte. Zwischen dem vielen „mäh“ war auch ein zeitweilig artiges „mök“ zu vernehmen. Auch Portraits wurden von den Schäfchen gemalt, während sie ein Leckerli bekamen. Ein lächelndes Schaf auf den Bildern zaubert Idylle, dachten sich die Mägde.

Dass beim grauen Schaf der Wollansatz schon fast verrußte, übersahen sie anscheinend. Das graue Schaf erinnerte sich nämlich mit Gewitter unter der Wolle an die eine Magd, deren Freunde die Herde auf die Steppe trieben, da sie enge Vertraute des Bauern sind. Natürlich verstanden die armen anderen Schäfchen wieder nicht, dass sie nach der Steppe wohl noch in die Wüste getrieben werden und auch weiter Wolle geben sollen. Sie erfreuten sich artig zufrieden kauend am Leckerli und der warmen Worte. Beinahe könnte man meinen, die Worte würden glühen. Nachdem die Mägde hatten, was sie wollten, gingen sie zum Hof zurück.

Das graue Schaf schüttelte erst den Kopf, dann die restliche Wolle, um sie zu kühlen und zog von dannen. Einige Meter weiter blieb es stehen und blickte müde lächelnd zurück denn:

Wohin sich die Herde weißer Schafe treiben lässt, ist absehbar, schließlich gibt es auch Böden aus Beton…

Leider hat sich die Beweglichkeit der Hufe zur gestenreichen Kommunikation nicht verändert. Vielleicht funktioniert dieses bei neuen Züchtungen?

 

Die erste Fabel zum Schäfchen ist im Dezember 2010 zu finden.