“Wir können alle selbständig denken!” habe ich ja schon so oft aus der Corona-Zeit zitiert. Ich lache täglich lauter und lauter. Warum zur Hölle fangen vor allem diese Leute nicht endlich damit an?!
Fangen wir mal mit der Informationsbeschaffung an: Wir kennen alle den Spruch: “Unwissenheit schützt nicht vor Strafe!” . Wer mündig ist, hat sich selbstständig zu informieren, ob mit oder ohne HIlfe.
Wie bin ich als über 50-Jähige aufgewachsen? Mit dem Fahrrad ca 3 km zur Bibliothek, in der Stube stand ein Wählscheibentelefon und in den Kinderzimmern je ein Feldtelefon. Zum Recherchieren saß man entweder mit Heft oder Block in der Bibliothek oder mit den geliehenen Büchern zu Hause. Wir haben gelernt, uns aus dem Lexikon unsere Fragen zu klären. Das geht heute natürlich immer noch, sogar digital, zum Beispiel mit der Kindle App von Amazon. Praktisch, oder?
Wir leben seit längerer Zeit in einem Zeitalter, in dem Technologien praktisch im Laufschritt oder gar Sprint vorangetrieben werden. Man liest …äh ich lese ja täglich, welche neuen Tools und neue Funktionen es hier und da gibt. Meine “böse böse” Ki serviert mir auch auf Wunsch meine Neuigkeiten zu diesen Themen.
Zuerst kam das “Teufelszeug” namens Internet, welches aber komischerweise jeder nutzt und sei es, um irre Postings und Kommentare in die sozialen Netzwerke zu klatschen. Trotz, dass es inzwischen etliche Browser gibt, hört und liest man noch immer: “Ich google das mal!” . Auf irre komfortable Art und Weise lässt sich Wissen zu etlichen Gebieten per Suchmaschine beschaffen. Auch der berühmte Duden ist online verfügbar. Es ist keine Schande, sich mal über die Schreibweise eines Wortes unsicher zu sein. Man muss bekanntlich nicht alles wissen, nur wissen, wo es steht, ob im Buch oder online. Wer noch mit dem Buch umgehen kann, klatscht an dieser Stelle wahrscheinlich gedanklich mit mir ab.
Wofür jeder das Internet nutzt, sieht man mindestens in den sozialen Netzwerken.
Die “böse” Ki, ach…herrjee, das ist doch auch noch die Technologie, die wie das Internet alles zerstört! Aber immerhin ist sie ja für viele Leute gut genug, sich alles abnehmen zu lassen, sogar Hausaufgaben, um nichts lernen zu müssen. Das wird übrigens die besungene “Zukunft” 🙈.
Internet und KI, es ist angerichtet und zwar für allerlei Leute, Deepfakes zu erstellen und andere, die den Unsinn auch noch glauben. Schließlich ist das “böse” Internet ja kein Werkzeug, um sich über die Richtigkeit der Meldungen zu informieren. Beispiel gefällig?
Es kursierte ein offenbar von Chat Gpt erstelltes Bild mit dem Schriftzug “Weihnachtsgeld für Bürgergeldempfänger! Wann erfolgt die Auszahlung?” Jeder tatsächlich selbstständig denkende Mensch hätte bei fehlender Quelle (weil Falschmeldung!) schon mindestens überlegen und recherchieren müssen, ob es stimmig ist. Ist es nicht! Den Hintergrund dazu darf man sich im Netz zur Übung selbst suchen.
Ich alte Dame hinter der Tastatur bin über 50 und lt. vieler Ausreden anderer, sogar jüngerer Leute, “zu alt” dafür, mich online zu bewegen, mich zu informieren, mit Technologien aller Art umzugehen.
Echt?! Jetzt doch erst recht ran! Ich lasse mich täglich über Gems (von Gemini), über Lokales (Meldungen der Stadtverwaltung, jegliche Versorgung und Streiks zum Beispiel ÖPNV) , über Entwicklungen der Technik, Technologien uvm. informieren.
Per Skill von Amazon Alexa zum alltäglichen Geschehen auch über Warnungen zu Betrug erfahre ich auch eine Menge.
Kostenlose Abos über seriöse Blogs und Webseiten, die zum Beispiel meine Interessen abdecken.
Woran hängt es also bei allem Komfort, den es heute und bald noch mehr gibt, sich zu informieren?! “Es hat nunmal nicht jeder Internet!” gefolgt von “nicht jeder kann damit umgehen!”
A: das Internet ist nicht mehr so irre teuer wie früher, als man mit dem versehentlichen Druck auf die Internet Taste mit der Weltkugel Schweißausbrüche bekam. Ich habe damals einfach die Adresse rausgenommen, als ich mal den Tipp bekam. Wodurch? Verrückt – durchs Internet 😀! Mobile Daten sind beispielsweise heutzutage schon relativ erschwinglich. DSL oder Kabel läuft eh meistens für Telefon und TV.
Und B: Wer lautstark im ÖPNV auch als Senioren Bonbons oder was auch immer durch das Display schubsen kann, hätte die Zeit und die Möglichkeit, sich auch sinnvoll mit Handy oder Tablet zu beschäftigen. Nichts gegen ein Spielchen im Warteraum oder wo auch immer. Aber es geht leise und Informationen laufen genauso über “dieses Internet”. Ausrede vom Tisch gefegt 😁. Und noch verrückter: es gibt Kurse für den sicheren Umgang mit dem Smartphone und Sicherheit im Netz. Sogar Apps gibt’s für Senioren, die Funktionen erklären.
Wer für sich die digitale Informationsbeschaffung ausschließt, kann auch günstig die Bibliothek nutzen. Es gibt unter Bedingungen auch Ermäßigungen von der Jahresgebühr und evtl. auch für die Monatskarte. Allerdings ist das Netz schneller gefüllt als eine Zeitschrift.
Kommen wir zu einer Fähigkeit, die offenbar selbst bei den ach so selbstständig denkenden Erwachsenen fehlt:
Textverständnis: Die Notwendigkeit, Texte verstehen zu können, zieht sich durchs ganze Leben! Schulaufgaben, Ausbildung Studium, Job, Behörden und und und… !
Aus dem Nähkästchen geplaudert: Im Unterricht hatten wir Gedichte, Lieder und Zeitungsartikel zu interpretieren. Natürlich hatten wir auch Aufsätze darüber zu schreiben, wie wir den Text verstanden haben.
Kinder und Jugendliche lernen im optimalen Fall von klein auf, Gehörte oder gelesene Texte zu verstehen.
Selbstverständlich habe ich bei keinem kleinen Tageskind am Bett gesessen und nach dem Märchen oder der Geschichte eine Leistungskontrolle vollzogen. Aber ich habe schon sachte und leise gefragt: “Was nimmst du aus dieser Geschichte für dich mit?“ und „Wie fühlst du dich damit?” Ich höre aus der meist begeisterten Wiedergabe heraus, ob das Kind die Geschichte oder das Märchen verstanden hat. Es erzählt mir, dass der böse Wolf endlich seine Strafe dafür bekommen hat, dass er Rotkäppchen, die Großmutter und in einem anderen Märchen ein paar Geißlein verschlungen hat.
In ehrenamtlichen Tätigkeiten wie Hort, Familienzentrum und Tagespflege bin ich immer wieder auf gleiche Muster gestoßen und finde es arg erschreckend, dass sich Kinder und Jugendliche zu Hause nicht trauen, sich Hilfe bei Aufgaben bei den Eltern zu erbitten. Ich habe in den Tätigkeiten mehr für die fremden Kinder getan als die Eltern für ihre eigenen tun sollten.
Ich bekam auf meine Frage hin, warum sie sich nicht trauen, öfter ähnlich klingende Antworten: “Bist du zu blöd, das zu begreifen?!” Wow, so eine Vorbildwirkung und Empathi!e ist ja schon erdrückend (Ironie)! Liebe Eltern: Ich habe kein Diplom für Erziehung und Bildung an der Wand. Aber was wollen wir aus den Kindern machen? Duckmäuser, die im Leben untergehen werden, weil sie durch das Elternhaus keine Unterstützung und Begleitung erfahren? Könntet Ihr den fraglichen Text nicht erklären? Und wenn nicht, vielleicht ein Eigentor geschossen? Wie schwer ist es, sich zum Kind zu setzen und zu sagen: “Lass es uns gemeinsam herausfinden.” ?
Vergesst nicht, dass auch ihr irgendwann die Hilfe anderer braucht, auch die der Kinder. Was wollt Ihr im Alter von Euren Kindern hören, wenn Ihr etwas nicht verstanden habt, da sich so vieles an Eurer Blase weiterentwickelt hat? Was wünscht man sich für die möglichen Enkel? Dass Eure Kinder ebenfalls so harsch und abwertend mit ihnen umgehen? Der Kreis gehört durchbrochen und das ist ein Herzenswunsch, dem ich im Ehrenamt im Umgang mit Kindern und Jugendlichen verfolgt habe..
Und spätestens, wenn wir volljährig sind und für uns selbst verantwortlich sind, ist es unverzichtbar, sich selbst zu informieren und das Wissen auch zu verstehen und umzusetzen. Und auch da hatten wir doch alle unsere Startschwierigkeiten, oder? Man sitzt beispielsweise zum ersten Mal an einem Wohngeldantrag und hatte bislang nie mit Behördendeutsch zu tun. Sind wir jetzt “zu blöd” dazu? Nein, so unerfahren wie Kinder und Jugendliche in ihrer Schullaufbahn.
Ich habe mit Bleistift alles ausgefüllt, wo ich mir sicher war und beim Rest eine Menge bunter Post Its. Natürlich ist der Bleistift kontraproduktiv, aber dazu komme ich noch. Ich marschierte in meiner Not und Unsicherheit zu einer Schuldnerberatung, erntete vorerst pikierte Blicke der Dame, von der ich mir Unterstützung erbeten hatte und erklärt, dass ich es ja gar nicht erst zu Schulden kommen lassen möchte und daher um ihre Hilfe bitte. Was ich tatsächlich richtig verstanden hatte, habe ich dann mit Kugelschreiber auf den Bleistift geschrieben und was ich nicht verstand, wurde besprochen. Und auf diese Art und Weise habe ich Stück für Stück gelernt, zumindest annähernd Behördendeutsch zu verstehen. Ansonsten wird angerufen oder per Mail gefragt, wie ich das zu verstehen habe.
Und jetzt wird es ja dank der “bösen bösen” KI noch einfacher, wenn man schon keine Anker hat.
Beispiel gefällig? Ich habe beispielsweise einen sehr techniklastigen Text, den ich nur teilweise verstanden hatte. Ich sabbel also ins Textfeld meines Herrn Gemini, dass ich den Artikel (Link eingefügt) so und so verstanden habe. Er soll mir bitte bestätigen, was ich richtig verstanden habe und mich bitte korrigieren, wo ich falsch liege und begründen. Und egal, wie oft mir die Ki einen Text erklären muss, es gibt kein Augenverdrehen und die herablassende Frage, ob ich zu blöd wäre. Die KI hat sich auf mich eingestellt (Algorithmus und so 😀) und weiiß mir ein Alltagsbeispiel zu flöten, sodass ich es direkt verstehe.
Diesen Anker hatte damals niemand! Ich bin dankbar für solche Hilfsmittel und es trainiert mich weiterhin, darin fit zu bleiben. Wir erinnern uns? Ich bin weit über die 20 hinaus.
Aber wir Erwachsenen können im Umgang mit Kindern und Jugendlichen ein Anker sein, ob es die eigenen sind, anvertraut oder in der Nachbarschaft.
Unterm Strich:
Seid Vorbild und nicht wie Leute, die völlig ohne nachzudenken, ohne eine Recherche über den Wahrheitsgehalt einer reißerischen Meldung auf eine Personengruppe einhacken. Entwickelt Euch weiter und lasst Euren Nachwuchs daran teilhaben, Ihr seid deren Vorbilder. Die Phrase, dass Kinder unsere Zukunft sind, sollte nicht nur beim Genörgel über “zu wenig” Kindergeld ausgegraben werden oder die Schule würde nicht genug Erziehung und Bildung abnehmen. Ihr habt sie gewollt und in die Welt gesetzt, stellt Euch der Verantwortung für Euch selbst und vor allem für Eure Kinder. Nur so haben sie eine Zukunft, in der sie gestärkt ins eigene Leben starten und dennoch ein Band zum Elternhaus haben. Begleitung in beide Richtungen wäre doch toll, oder?
Nutzt bei Unsicherheiten seriöse Quellen für Eure Recherche statt ominöser Telegram Kanäle oder Fanseiten zweifelhafter Parteien. Diese entscheiden nämlich auch über die Bedingungen, in denen Eure Kinder aufwachsen und sich ihre eigene Existenz aufbauen und die Möglichkeiten, sich zu informieren.Diktaturen und damit verbundene Zensur hatten wir lange genug. Es ist wie bei den Wahlen: Nutzen und erhalten wir auch für die Zukunft mit unserem Handeln, dass die Informationsfreiheit auch gewahrt bleibt !