“Du hast doch so viel Zeit…

… hast ja eh nichts und niemanden zu versorgen!” 

höre und lese ich oft. Dass man bei vielen Menschen zum Beispiel große Wunden aufreißt, lässt solche Phrasen schnell unüberlegt und abschätzig über die Tastatur oder Lippen bringen.

Der/ die Angesprochene konnte vielleicht keine Kinder bekommen, hatte Fehlgeburten, war bis vor einer Weile pflegende Angehörige, hat ihre geliebten Haustiere nicht mehr. 

Völlig unabhängig, ob man freiwillig ohne Verantwortung für Menschen oder Tiere lebt, es war nicht zwingend für alle eine bewusste Entscheidung. Allerdings haben sich Leute bewusst dafür entschieden, zu heiraten, Kinder in die Welt zu setzen, Angehörige und/ oder Tiere zu versorgen. Stand irgendwann irgendwer mit der Flinte davor und hat die Übernahme von Verantwortung erzwungen? Wohl kaum! 

Und das kleine Zauberwort “Zeitmanagement” und die damit verbundenen “Prioritäten” wirken sogar bei allen Menschen, ob allein oder mit Mitbewohnern aller Art. Überraschung 😁! 

Natürlich fallen die Prioritäten bei jedem Menschen anders aus. Bei mir steht die Existenz an erster Stelle: Job (Einkommen) ob als Angestellte, Selbständige, Rente oder im m.E. unschönen Fall Bezug von Sozialleistungen und wieder durch Eigeninitiative zusehen, wieder in Lohn und Brot zu kommen. Dann kommen die Termine wie Arzt etc,  , das Wohlbefinden und Gesundheit meiner Tiere (wenn vorhanden), der Haushalt , dann Familie und Freunde, die für mich da sind und für die ich es auch gern bin, so gut es geht.

Ist man durch Rente, Krankheit oder Arbeitslosigkeit zu Hause, haben viele natürlich den Eindruck: “geil, den ganzen Tag gammeln!”  

Ja, dieses Kaliber gibt es, ist absolut nicht abzustreiten. TV und Sofa werden höchstens nur kurz kalt, wenn solche Personen zu diversen Terminen, ins Bad oder Küche müssen. Sich darüber aufregen bringt nichts und raubt Nerven und somit Energie, die wir für Wichtigeres brauchen – nämlich für uns! Klingt ekelhaft egoistisch, oder? Aber wer auf sich selbst achtet, hat auch die Energie, anderen zu helfen, ob in der Nachbarschaft oder wo auch immer für andere Menschen da zu sein.

Wer beispielsweise nach ca 10 Stunden Dienst nach Hause kommt, hat genauso Haushalt zu erledigen, ob mit oder ohne Mitbewohner. Der Staub fällt beispielsweise so oder so. Irre, oder? Wenn man nicht gerade eine gute Fee im Haus hat, die den Haushalt schmeißt, muss man eben selbst ran. 

Kinder und/ oder Tiere müssen auch versorgt werden, wofür wir uns ja, siehe oben, selbst entschieden haben. 

Klar, allein lebend ist man weit flexibler, kann sich alles frei einteilen, seine Prioritäten abarbeiten, was die to do Liste im Kopf, in der App oder auf dem Papier so anzeigt, aber es geht auch mit Kindern. Man muss sie nur einbeziehen, kleine Pannen akzeptieren, da sie A erst noch lernen und B auch wir Erwachsenen nicht fehlerfrei sind.

Wer sich selbst als “chaotisch” betrachtet und der Meinung ist “packe ich eh alles nicht, es sind die Kinder, die das alles zerstören”, hat da das Zauberwort “Konsequenz” noch nicht in die Erziehung eingebaut. Leider wird es gern mit Gewalt verwechselt, was ich in jeglicher Hinsicht ablehne! Konsequenz ist der Kompass und eine Zuverlässigkeit, die manchmal zwickt. Nicht aufgeräumt, kein TV, Hausaufgaben unerledigt, ebenfalls kein TV oder was auch immer. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen und das gemeinsam. Das klappt nicht von heute auf morgen, das ist ein Prozess, für den auch wir Erwachsenen Zeit brauchen, uns etwas an- oder abzugewöhnen. 

Und jetzt kommen wir zum vorerst sehr unliebsamen Part: Zeit und vor allem Geduld sind so Faktoren, die wir angeblich nicht haben. Investieren wir sie aber, sparen wir mit Zinseszins, Zeit und Nerven mit viel weniger Gezeter und Genörgel. Und wir horchen doch mal tief in uns selbst hinein: wir Erwachsenen gehen leider ohne Erfahrung auch kopflos vor. Ich erinnere an die erste Zeit in der ersten eigenen Wohnung 🤭. Wir mussten uns doch auch erst an Routinen gewöhnen, die uns am Ende viel Verwirrung und damit Zeit geraubt haben. 

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Ich war in der Kindertagespflege tätig und trotz, dass ich es nicht hätte tun müssen, habe ich die Kindesmutter im Haushalt etwas entlastet. Die Mädchen (damals 5 und 8 Jahre alt), haben sich also in der Zeit selbst beschäftigen müssen, in der ich Abendessen vorbereitet habe und habe die Mädels mit eingespannt, den Tisch zu decken und Spülmaschine ein- und auszuräumen und ihre Zimmer in Ordnung zu bringen. Während die “Große” sich den Hausaufgaben und dem Packen ihrer Schultasche gewidmet hatte, habe ich sie in Ruhe gelassen, aber angeboten, sie zu unterstützen, wenn sie Fragen und Probleme hat. Meine Planung von der Abholung aus den Einrichtungen bis zur Übergabe an die Elternteile (im Schichtsystem) lief bis auf einige anfängliche Pannen wie ein Zahnrad ineinander greifend. Die “Kleine” habe ich schon vorher ins Bad geschickt, weil ich wusste, dass sie trödelt 😀. 

Kranke Tiere: Fussel, mein Zahnschweinchen hatte durch den Vorbesitzer (völlig falsche Ernährung mit Crackern etc) Zahnfehlstellung, welche durch den Tierarzt regelmäßig korrigiert werden musste. das hieß: das Schweinchen nach der Behandlung unter Betäubung  zuerst von ihrer Partnerin getrennt in einen kleinen Käfig, den ich als Lebensraum niemals benutzen würde, aber als “Aufwachraum” bestens. Herzlose Leute mit irre viel Meinung und wenig Ahnung werden jetzt wahrscheinlich lachen und die Augen verdrehen, weil ich tatsächlich Futter wie Wiese, Kräuter, Gemüse in 3 Konsistenzen gereicht habe. Brei, geraspelt und normal . Zufüttern musste ich ohnehin die erste Zeit und Fussel sollte die Wahl haben, wie sie fressen möchte. Sobald ich gesehen habe, dass sie wieder normal alles zu sich nahm, ab zur Fluse ins Gehege. Mein Haushalt 🙈 egaaaaaaaaaal ! Alle 2 Stunden Tag und Nacht zufüttern und für Futter sorgen (Wiese im Sommer, Gemüse etc im Winter), wöchentlicher Check, bei Krankheit täglich und Dokumentation für den Tierarzt und für mich. Da geht ordentlich Zeit flöten. Habe ich gejammert? Ja, gelegentlich vor Sorge! Die Zeit ist es mir immer wert. Ähnlich hatte ich es ja bei Stan, einer meiner letzten Meerschweinchen. 

Mit einer Kamera oder einem ausgemusterten Babyphone mit Kamera ist der Blick in den “Aufwach-Käfig” und Gehege eine kleine Sicherheit, um während der Hausarbeit zu wissen, was gerade los ist und ob zum Beispiel  das kranke Tier futtert. Als Fluchttier futtert es durch den Instinkt nämlich bei Krankheit oder täuscht es vor, um nicht aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden. Das Tier muss sich also unbeobachtet fühlen. 

Wie ich das alles trotzdem geschafft habe? Mein Kopfkino zeigt die Schippe und ein Zahnrad. Künstler dürfen sich jetzt kreativ austoben, was sie daraus machen 😂.

  1. Pomodoro-Technik. bei Krankheit nicht wirklich umsetzbar, aber ansonsten schaufelt es unheimlich gut Fokuszeit und Pausenzeiten heraus. Je gründlicher ich eine Aufgabe erfüllt habe durch ungestörtes Arbeiten, umso mehr Zeit habe ich gespart. 

In Verbindung mit der to-do-Liste, am besten nach Prioritäten aufgelistet, lässt sich in Nullkommanix planen, welche Tätigkeit in welche Tageszeit passt. Planung ist erstmal Arbeit, die auch etwas Zeit in Anspruch nimmt, rechnet sich aber ebenfalls in Zinseszins, wenn man es verinnerlicht hat und das schon ohne groß nachdenken zu müssen, ausführt. Feste Tätigkeiten zu festen Tageszeiten sind ruckzuck eine Routine, die Zeit und Nerven spart. 

  1. “NIcht-Stören-Modus” am Smartphone: Ich habe am Smartphone nicht einfach nur den Modus eingestellt und die Dauer. Es lassen sich noch viele Modi mehr einstellen. Fokus: Nur die wichtigsten Apps, die ich brauche, dürfen Benachrichtigungen senden, nur die wichtigsten Kontakte wie beispielsweise die Familie kommen telefonisch durch. Ansonsten ist Ruhe im Karton. Jede noch so kleine Unterbrechung holt uns aus der Konzentration. Es passieren dann mehr Fehler, weil man völlig aus dem  “Tritt” oder “Konzept” gekommen ist und man mehr Zeit für die Korrektur braucht. Ich kenne es aus der Texterstellung, unabhängig, ob beruflich oder privat. Gerade schießt mir eine geniale Formulierung in den Kopf, die ich sofort festhalten wollte und dann “drrriiinggg” 😮 der Gedanke ist weg 🙄! Der Knüller: Die Nachricht war oftmals nicht mal wichtig. Meistens kam sogar nur ein trockenes “ah” oder “ok” *hmpf*! 

Bei Anrufen das Gleiche: man kann Anrufe mit einer freundlichen vordefinierten Antwort abweisen und zurückrufen, wenn es wieder passt. Während etwas kocht oder brät oder einfach in einer kleinen Pause.

  1. Kinder, die schon Aufgaben übernehmen können, entlasten nicht nur ein Stück weit, sie lernen dabei auch noch für ihre eigene Selbständigkeit. Pläne mit kleinen und wechselnden Aufgaben wie zum Beispiel Müll wegbringen, kleine Einkäufe, Spülmaschine ein- und Ausräumen sind schnell gelernt und auch wenn es unter Murren ausgeführt wird, es ist gemacht. Den Kindern klar zu machen, dass auch sie hier wohnen, etwas lernen sollen und am Ende mehr gemeinsame Zeit zusammenkommt, wird zwar nicht immer überzeugen, aber bleibt dran und bei Weigerung fällt eben mal das Wlan aus – na huchi. Um sich nicht ins eigene Knie zu schießen,weil zum Beispiel Smart Home oder auch dein Diensthandy im Wlan hängt, richtet die Geräte der Kinder am besten nur mit dem Gäste-Wlan ein und nicht mit dem Hauptnetzwerk. Das stehts neue Passwort muss erstmal erarbeitet werden. Nicht übertreiben, aber auch nicht nachgeben. Wir erinnern uns an das Wort „Konsequenz“? Sehr gut 😁 ! 

Perfekt wird nie etwas laufen und es wäre schon fast unheimlich und gelogen. Aber selbst mit kleinen Schritten und Methoden, die man Stück für Stück etabliert, schaufelt es sich ein wenig leichter, allein oder gemeinsam.

Und wie bewegt Ihr Eure Familie zur Mitarbeit? Habt Ihr auch gelegentlich gefühlt kleine Teufelshörnchen auf dem Kopf, wie zum Beispiel das ständig geänderte Gäste-Netzwerk-Kennwort? Haut in die Tasten, her mit den Tricks! Wir sind alle gespannt und lernen gerne dazu. 

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