Das graue Schaf

Diese Geschichte mag vielleicht vergleichbar verbreitet sein, diese hat allerdings einen speziellen Hintergrund. (Ist auch bei Ciao zu finden)

Es war einmal ein Bauernhof, wir sehen eine Weide, hören ein bisschen „Muh“, „Mäh“ und Gegacker aus der Ferne. Unser Blick fällt auf die Schafweide mit einer Herde weißer Schafe, so 36 Stück, welche ordentlich Wolle und Milch bringen. Diese grasen friedlich mit einem hin und wieder nörgelndem „Möööööööööh“ auf einer mäßig saftigen Wiese vor sich her.

Plötzlich kam der Schäfer und trieb die Schäfchen in die Steppe. Kein Gras, nur grau und gelb ist zu sehen. Die Schäfchen beschwerten sich natürlich mit einem verdammt lauten „Blööööök!“.
Aber was ist das? Ein Schaf, welches etwas helleres Schwarz oder dunkleres Weiß hat, machte „Möööööök“. Ist es eine andere Schafsprache? Ja, Dieses Schaf war neu in dieser Herde. Die anderen Schafe beäugten es eher misstrauisch, hatte es doch so ganz andere Manieren und sprach eine fremde Sprache. Das graue Schaf blökte nicht wie alle anderen Schafe und zog daher missmutige Blicke auf sich, da es sich einfach nicht anpassen wollte. Es sprang herum und wetzte durch die Herde, was Unruhe in die träge Masse brachte.

Das „Mööööööööök!“ hieß übersetzt: die anderen sollen sich wehren, sie sollen dafür kämpfen, wieder und besseres grünes Gras zu bekommen, um die geforderte Leistung zu bringen, ob mit Schäfer oder ohne. „Überzeugen wir den Schäfer und den Bauern, grünes Gras zu bekommen um unsere volle Leistung zu bringen oder müssen wir über den Zaun oder ihn gar zerstören? Mit gemeinsamer Kraft würde es eine Herde ja schaffen.“
Das graue Schaf wandte sich Hilfe suchend an eine Kuh, die Gans, das Huhn, die auf der angrenzenden Fläche weideten. Diese Kuh schaute gütig kauend auf das Schaf und sprach ein paar warme Worte, die Gans verstand den Ärger nicht und das Huhn gackerte alles nach. Diese halfen dem grauen Schaf und den weißen Schafen also auch nicht. Die Kuh war außerdem eine verbündete des Schäfers, was das graue Schaf später zu spüren bekam. Die Gans und das Huhn gackerten um die Wette über das Gehörte und das bekam der Schäfer mit.
Die andere Sprache des grauen Schafes gefiel weder den Schafen noch dem Schäfer. Den Schafen war es unbequem, sich das lockig frisierte Köpfchen einzurennen. Dem Schäfer gefiel der Aufruhr des grauen Schafes nicht, da er befürchtete, die weißen Schafe würden doch noch streiken oder ausbrechen wollen. So schickte der Schäfer seinen Schäferhund einige Male auf das graue Schaf los, um es zu Gehorsam zu bringen. Er biss dem Schaf ins Ohr. Das graue Schaf verstummte vorerst mit verschmitztem Blick und schmückte das Loch mit einem hübschen Steinchen. Die weißen Schafe grasten mit mürrischen Blicken weiter auf der steppenähnlichen Weide, sofern man sie so nennen kann. Einige Schafe brachten ihre Leistung nicht mehr ein, sie sind geflüchtet und das fiel auch dem Bauern auf. Der Schäfer sah, dass es Zeit zu handeln war, bevor es noch weniger Wolle und Milch gab. Der Schäfer stellte sich mit den weißen Schafen vor das Bauernhaus und ließ die Schafe ihr Leid klagen. Wo war das graue Schaf? In einem Extra-Käfig gesperrt, damit das anders klingende „Mööök!“ nicht stört. Nun suchte und fand man eine Fläche, die weder richtig Weide noch Steppe war.

Solange die Schafe, wenn auch missmutig blökend grasen und nicht ausbrechen oder dem Schäfer und dem Bauern in den Hintern stoßen, wird der Bauer die Weiden nicht wässern. Es geht ja offensichtlich auch so. Das graue Schaf indes hat sich in mühseliger Kleinarbeit ein Wasserlöchlein gegraben und blökt ein entspannteres „Mööööök!“.

Was uns das graue Schaf damit sagen will?

Die Hufe behindern leider eine gestenreiche Kommunikation…

— Ende —

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8 Gedanken zu „Das graue Schaf

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