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Wir üben Festessen-Verträglichkeit

Mal ehrlich, ist die Ente schon im Gefrierfach? Meine liegt noch als Frost-Tierchen im Rewe meines Vertrauens. Die muss also noch in meinen Single-Ofen und für mein Experiment herhalten. Bloß gut, dass ich keine Verantwortung habe, was eventuelle Magenverstimmungen betrifft.
Achja, ein Möbelhaus mit dem sehr ungesund klingenden Slogan, welches ein intensivrot farbenes Möbelstück als Markenzeichen herhält, dürfte uns den Rest geben. Denn dieser Slogan klingt auch irgendwie nach bösem Verdauungsproblem. Übrigens: Wer sich über Unverträglichkeiten oder Völlegefühl zum Festmahl fürchtet, kann Dank der Werbung für ein Mittelchen mit „D“ beginnend und an der grünen Packung erkennbar, für Abhilfe sorgen. Vielleicht gar als Geschenk? Schon jetzt wird kräftig dafür geworben. Der Winter und besonders die Weihnachtszeit scheint ja die Hochzeit jeglicher Unverträglichkeiten zu sein.

Und passend fiel mir vor ein paar Jahren mal ein Gedichtlein ein…

Zum Weihnachtsfest ein fetter Braten?
Ich könnte zu ´nem Döner raten.
Für´n paar Euro Fleisch, Gemüse, Brot…
im TV frisst man sich an Ente tot.
Schön geschmückt und hübsch garniert
schmeckt Fertigessen garantiert!

Jaaa, ich war stinksauer… 🙂

Wir üben noch mal den Wahlkampf

Da hatten wir doch zwei Doktoren
die um des Bürgers Stimme bohren.
Doch vergesse man beim Wahlkampf nicht,
was dem Bürgerwunsch entspricht.
Drum sollte man sich einig sein,
„Wen schicken wir ins Rennen ´rein?“.
Mit Überraschung und Überzeugungston
buhlt nun der Dritte um den Thron.
Fehlt nur der vierte Kandidat,
der noch keinen Doktor hat.
Will noch ein Fünfter Stimmen haschen?
Wir lassen uns auch überraschen.
Dann kommt zur nächsten großen Wahl
so richtig Spannung auf, das wär´s ja mal…

———

Da dachte sich die Menschheit nun,
das weibliche Geflügel wär´ein Huhn.
Doch sieht man sich die (gersche) Chronik an,
war´s bei Führungskräften doch ein Mann.
Kommt nun der nächste Wahlkampf dran,
kandidiert eine Frau mit Namen „Hahn“.
Beim Hahn mit Z denkt sich der Wähler nur,
ist es ernst mit seiner Kandidatur?
Ob „Huhn“, ob „Hahn“ oder am Ende „Ei“
Die Rettung der Stadt muss fix herbei.

Wir üben Spendenalarm

„Hilfe, ich bin arm und kann meinen Kindern kein Barbie-Haus kaufen. Bitte nur original verpackt und an folgende Adresse___. Ich übernehme auch die Versandkosten“ finden wir hier und da nicht selten. Schade, ich habe die Screenshots vernasselt. Eine (private, wohlgemerkt) Anschrift wird in soz. Netzwerken sogar öffentlich genannt! Es schicken dann wohl zig mitleidsgeschüttelte Leute ihre Spendenpakete.
Und mal angenommen, die Versender würden tatsächlich „dreist“ das Porto verlangen: Ooops und schon wären wir rechnerisch bei einem Barbie-Haus, einer ganzen anderen Spielzeugserie und das Ganze mitunter auch noch bei Auktionen wieder auffindbar.

Spendendosen und Herz zerreißende Aufrufe (auch die der Fernsehsender) sind also wie jedes Jahr im Umlauf und immer mehr wird auf die Schmerzgrenze geklopft, die die Glaubwürdigkeit meiner Einstellung nach ins Minus reißt. Wer wirklich gutes tun will, spendet ohne Tamtam und Anlass direkt dorthin, wo es gebraucht wird und wo es nachvollziehbar ist, dass es tatsächlich den richtigen Empfänger erreicht. Mir fallen da z. B. die örtlichen sozialen Anlaufstellen ein. Ihr sollt mal sehen, wie sich nicht nur die meisten Kinder wirklich darüber freuen.

Sind Festtage wie Weihnachten für „arm“ oder „reich“? Brauchen wir den Neid? „Der Reiche hat mehr als wir!“ lässt mir die Haare zu Berge stehen! Ich arbeite noch an der 2. Million (da es mit der ersten nicht so klappte) und bin auch ohne Geschenkeregen mehr als zufrieden, da ich auf vieles anderes Wert lege.

Aufschwung hin oder her – Weihnachten ist keine Sache des Einkommens. Der TV-Spot eines Elektromarktes „Weihnachten wird unter´m Baum entschieden“ jagt mir die Nackenhaare hoch. Es geht im Spot natürlich darum, das Geschäft für Weihnachtsgeschenke „leer“- zu kaufen, da ansonsten große Enttäuschung aufkäme, wenn „nur“ Bücher oder „uncooles“ Holzspielzeug unter dem Baum läge. In der Radiowerbung selben Unternehmens hört man den Spruch am Telefon (natürlich Geräuschkulisse) „Hohoho, tief vom Walde komm´ich her…“ und es wird ebenfalls geräuschetechnisch aufgelegt und von Kindern „Du kannst zu Hause geh´n!“ gesungen. Mal abgesehen von der vergriesgnaddelten Grammatik kann man sehen, wie verkommen es schon lange zugeht. Ich denke mit Augenrollen an „Radiowerbung…bleibt im Kopf….“ … und senkt das Niveau.

Wir lassen uns aber von solchen niveaulosen Werbebotschaften kein Weihnachten diktieren, oder?
Kleine Geschenke wie selbst Gebasteltes oder Gebackenes sind persönlicher und man darf mir glauben: die Dankbarkeit und Freude darüber ist nicht geringer als bei phantasievollen Kleinigkeiten. Ich habe von meinen lieben Nachbarn hin und wieder Blumensträußchen, selbst gekochte Marmelade und gebackene Kekse vor der Türe, über die ich mich natürlich wie Bolle freue. Auch selbst gestrickte und andere nette Überraschungen kommen gelegentlich bei mir an. Mir fallen für Nachbarn und Freunde auch recht reizende Sachen ein, die ich verschenke bzw. versende. Man kann sich also ehrlich darüber freuen, da es etwas Persönliches ist. Man ist auch füreinander da, ob mit oder ohne Geschenke.

Ist viel schöner, oder?